Leasingraten-Versicherung in der Schweiz: Schutz bei Arbeitslosigkeit und Krankheit
Du verlierst unverschuldet deinen Job, oder du wirst nach einem Unfall über Monate arbeitsunfähig. Das Einkommen bricht ein, die Fixkosten laufen weiter. Miete, Krankenkasse, und auch die Leasingrate müssen trotzdem bezahlt werden. Für solche Fälle bieten die meisten Schweizer Leasinggesellschaften eine Zusatzversicherung an: die Leasingraten-Versicherung, auch bekannt als Ratenversicherung oder Zahlungsschutzversicherung (PPI). Die spannende Frage: Was leistet sie wirklich, und wo liegen die Haken?
In diesem Artikel schauen wir uns die Leistungen und Einschränkungen am konkreten Beispiel der Versicherung von BANK-now an. BANK-now gehört zur Cembra-Gruppe, beide nutzen Helvetia als Versicherer und dieselben Versicherungsbedingungen. Sie zählen zu den grössten Schweizer Leasinganbietern und veröffentlichen ihre AVB transparent im Internet. Andere Anbieter wie AMAG, Migros Bank, Alphera und weitere haben ähnliche Programme, deren detaillierte Versicherungsbedingungen jedoch nicht öffentlich und frei zugänglich sind.
Wie funktioniert eine Leasingraten-Versicherung?
Die Leasinggesellschaft arbeitet mit einem Versicherer zusammen. Beim Leasingabschluss entscheidest du, ob du die Versicherung willst oder nicht. Es braucht keinen separaten Vertrag und keine Gesundheitsprüfung. Du unterschreibst die Beitrittserklärung, der Schutz beginnt mit der Fahrzeugübergabe.
Die Prämie wird einfach in deine monatliche Leasingrate eingerechnet. Du zahlst also nur einen Gesamtbetrag und musst dich um nichts weiter kümmern. Tritt ein Schadenfall ein, geht das Geld nicht auf dein Konto, sondern direkt an die Leasinggesellschaft. Deine Rate ist damit gedeckt, ohne dass du selbst etwas weiterleiten musst.
Was kostet die Versicherung?
Die Prämie skaliert mit deiner Leasingrate. Bei BANK-now macht die reine Absicherung bei Erwerbsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit rund 4,5% der monatlichen Rate aus. Drei konkrete Beispiele für einen Occasions-Wagen mit 48 Monaten Laufzeit und 10'000 km pro Jahr:
BMW für CHF 35'000: Leasingrate CHF 550, davon rund CHF 25 Versicherung. Über 4 Jahre: rund CHF 1'200 Gesamtkosten.
Mercedes-Benz für CHF 65'000: Leasingrate CHF 1'000, davon rund CHF 45 Versicherung. Über 4 Jahre: rund CHF 2'160 Gesamtkosten.
Porsche für CHF 100'000: Leasingrate CHF 2'000, davon rund CHF 90 Versicherung. Über 4 Jahre: rund CHF 4'320 Gesamtkosten.
Was ist versichert?
Bei der BANK-now Police werden zwei Risiken abgedeckt: Erwerbsunfähigkeit durch Krankheit oder Unfall, und unverschuldete Arbeitslosigkeit. Der Todesfall ist in anderen Policen teils mitversichert, bei BANK-now läuft er über eine separate Versicherung.
Erwerbsunfähigkeit durch Krankheit oder Unfall
Bei 100% Erwerbsunfähigkeit übernimmt die Versicherung deine monatliche Leasingrate bis maximal CHF 2'000 pro Monat. Wichtig: 100% heisst wirklich 100%. Bei einer Teil-Arbeitsunfähigkeit von 80% oder 90% gibt es keine Leistung. Die Erwerbsunfähigkeit muss von einem in der Schweiz praktizierenden Arzt attestiert sein.
Zusätzlich gibt es eine einmalige Kapitalleistung von bis zu CHF 100'000 pro Leasingvertrag. Die greift, wenn du dauerhaft mindestens zu 70% erwerbsunfähig wirst und die IV das offiziell bestätigt. In diesem Fall werden die noch ausstehenden Raten abgelöst, damit du mit dem Leasingvertrag abschliessen kannst.
Unverschuldete Arbeitslosigkeit
Bei einem 100%igen, unverschuldeten Jobverlust werden die Leasingraten ebenfalls bis CHF 2'000 pro Monat übernommen. Voraussetzung: Du musst bei der Kündigung bereits seit mindestens 6 Monaten unbefristet mit mindestens 25 Stunden pro Woche angestellt gewesen sein. Und: Du musst Anspruch auf die vollen ALV-Taggelder haben (also die Mindestbeitragszeit erfüllen und beim RAV angemeldet sein).
Das Kleingedruckte, das du kennen musst
Hier wird es interessant, denn die Bedingungen lassen viele Versicherte im Ernstfall leer ausgehen.
Karenzzeit: 3 Monate nach Abschluss
Kündigungen des Arbeitsverhältnisses, die innerhalb der ersten 3 Kalendermonate nach Versicherungsbeginn mitgeteilt werden, sind nicht versichert. Wenn du also bereits weisst, dass deine Anstellung wackelt, bringt der Abschluss kurz vor Kündigung nichts.
Wartefrist: 2 Monate nach Schadenseintritt
Selbst wenn alles passt, zahlt die Versicherung nicht sofort. Bei Erwerbsunfähigkeit wie bei Arbeitslosigkeit gilt eine Wartefrist von 2 Kalendermonaten. Die ersten zwei Monate trägst du die Raten selbst.
Maximale Leistungsdauer
Pro Schadenfall werden maximal 12 Monate übernommen. Insgesamt, also über alle Schadensfälle während der gesamten Leasinglaufzeit, sind maximal 24 Monate abgedeckt. Die einmalige Kapitalleistung bei dauerhafter Erwerbsunfähigkeit kommt separat dazu.
CHF 2'000 als Monatslimit
Liegt deine Leasingrate über CHF 2'000, bekommst du trotzdem nur CHF 2'000. Die Differenz musst du selbst tragen. Bei hochpreisigen Fahrzeugen mit Raten von CHF 2'500 oder mehr schützt dich die Versicherung also nur teilweise.
Was NICHT versichert ist
Die Ausschlussliste ist lang, und einige Punkte überraschen.
Bei Erwerbsunfähigkeit
Nicht gedeckt sind Krankheiten oder Unfallfolgen, für die du in den 12 Monaten vor Vertragsabschluss in ärztlicher Behandlung warst. Wer also ein bestehendes Leiden hat, sollte genau prüfen, ob die Versicherung überhaupt greift. Ebenfalls ausgeschlossen: Selbstverletzung, illegale Aktivitäten, Unfälle unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, Berufssport und eine ganze Liste risikoreicher Sportarten (Boxen, Tauchen tiefer als 40 Meter, Gleitschirm, Base Jumping, Pferderennen, Bergsteigen ab Schwierigkeitsgrad VI UIAA, Canyoning, Hochseesegeln).
Besonders wichtig: Psychische Erkrankungen wie Depressionen sind nur versichert, wenn sie von einem Psychiater behandelt oder stationär abgeklärt wurden. Eine Depression, die nur vom Hausarzt betreut wird, löst keinen Anspruch aus.
Bei Arbeitslosigkeit
Selbstverschuldete Arbeitslosigkeit ist komplett ausgeschlossen. Das bedeutet: Wenn du selbst kündigst, greift die Versicherung nicht. Ein Aufhebungsvertrag kann ebenfalls problematisch werden, da er oft als selbstverschuldet gewertet wird.
Ebenfalls nicht versichert: Befristete Arbeitsverträge, Saisonarbeit und Temporärarbeit. Wenn du im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses bereits gekündigt oder in einer Kündigungssituation warst, gibt es auch keinen Schutz.
Selbständige sind beim Risiko Arbeitslosigkeit grundsätzlich nicht versichert. Wenn du dich während der Leasinglaufzeit selbständig machst, endet der Versicherungsschutz für dieses Risiko automatisch. Nur das Risiko Erwerbsunfähigkeit bleibt dann bestehen.
Zwei praktische Beispiele
Schauen wir uns anhand von zwei konkreten Szenarien an, was die Versicherung wirklich leistet. Beide Beispiele rechnen mit der Mercedes-Leasingrate von CHF 1'000 pro Monat.
Beispiel 1: Jobverlust nach Restrukturierung
Du arbeitest seit 4 Jahren unbefristet in einem 100%-Pensum. Im Januar kündigt dein Arbeitgeber wegen einer Restrukturierung. Du meldest dich beim RAV an und bekommst ALV-Taggelder.
Monat 1 und 2 nach Kündigung: Wartefrist. Du zahlst die Raten selbst. Gesamtkosten: CHF 2'000.
Monat 3 bis 14: Die Versicherung übernimmt die volle Rate. Insgesamt CHF 12'000 gedeckt.
Ab Monat 15: Maximale Leistungsdauer von 12 Monaten erreicht. Du zahlst wieder selbst.
Wenn du innerhalb dieser 12 Monate einen neuen Job findest und nach kurzer Zeit wieder arbeitslos wirst, gilt das innerhalb von 3 Monaten als derselbe Schadenfall (keine neue Wartefrist, aber auch keine neuen 12 Monate). Nach 3 Monaten arbeitsfähig zählt ein neuer Jobverlust als neuer Schadenfall.
Beispiel 2: Depression mit Krankschreibung
Nach einer längeren Phase unter Hochdruck entwickelst du eine Depression. Dein Hausarzt schreibt dich krank und überweist dich zum Psychiater. Der Psychiater bestätigt die Diagnose und attestiert 100% Arbeitsunfähigkeit. Du bist regelmässig bei ihm in Behandlung.
Monat 1 und 2: Wartefrist. Du zahlst die Raten selbst. Gesamtkosten: CHF 2'000.
Monat 3 bis 14: Die Versicherung übernimmt die volle Rate. Insgesamt CHF 12'000 gedeckt.
Ab Monat 15: Die 12 Monate sind ausgeschöpft. Du zahlst wieder selbst, auch wenn du noch krank bist.
Achtung, häufiger Fallstrick: Nur der Psychiater zählt. Wenn dich ausschliesslich der Hausarzt krankschreibt oder du nur zum Psychologen gehst, greift die Versicherung nicht. Ein Psychiater ist ein Arzt mit Facharztausbildung in Psychiatrie, ein Psychologe hingegen kein Arzt und darf keine Medikamente verschreiben. Viele mit Depressionen gehen primär zur Therapeutin, das reicht für die Versicherung nicht. Auch eine Teil-Arbeitsunfähigkeit von 50% (was bei psychischen Erkrankungen sehr häufig ist) löst keine Leistung aus, es braucht die volle 100%.
Lohnt sich die Versicherung?
Das hängt stark von deiner Situation ab. Die Argumente dafür: Planungssicherheit bei Jobverlust oder Krankheit, Schutz deiner Bonität (denn Zahlungsausfall bei der Leasingbank führt zu Mahnungen, Betreibung und negativen Einträgen), und eine vergleichsweise überschaubare Prämie.
Die Argumente dagegen: Als Angestellter hast du oft eine Krankentaggeldversicherung über deinen Arbeitgeber, die 80% des Lohns für bis zu 720 Tage deckt. In diesem Fall bist du bei Krankheit bereits abgesichert. Selbständige haben beim Arbeitslosigkeitsrisiko ohnehin keinen Schutz durch diese Versicherung. Und die langen Ausschlusslisten reduzieren den realen Schutz oft stärker, als einem beim Abschluss bewusst ist.
Unser Tipp: Lies die AVB vor Abschluss wirklich durch, besonders die Ausschlüsse und Fristen. Und frag dich, ob du diese Risiken nicht bereits anderweitig absicherst.
Was tun, wenn du bereits in der Situation bist?
Wenn du keine Leasingraten-Versicherung hast und die Raten zur Belastung werden, hast du drei realistische Optionen. Erstens: Mit dem Leasinggeber sprechen. Manche Banken akzeptieren einen temporären Ratenaufschub. Zweitens: Vorzeitige Kündigung. Das ist allerdings teuer, weil die Raten rückwirkend erhöht werden und oft mehrere tausend Franken Nachzahlung fällig werden. Drittens: Leasingübernahme. Eine andere Person übernimmt deinen Vertrag zu den bestehenden Konditionen. Du bist raus, ohne Nachzahlung, und die monatliche Belastung ist weg.
Die Leasingübernahme ist in den meisten Fällen die schnellste und finanziell entlastendste Lösung. Bei Easy Leasy kannst du dein Fahrzeug kostenlos inserieren. Wir übernehmen das Anfragen-Management, qualifizieren Interessenten vor, koordinieren Besichtigungstermine und sind persönlich vor Ort dabei. Gerade in einer Situation, in der finanzieller Druck besteht, ist es wertvoll, den Prozess delegieren zu können.



